Festakt: 50 Jahre Ludwig-Frank-Gymnasium

Ein feierlicher Festakt mit einem bunten Programm von Theaterszenen und Musik bildete den Höhepunkt der Feierlichkeiten anlässlich des 50-jährigen Jubiläums des Ludwig-Frank-Gymnasiums. Schulleiter Holger Reusch konnte in der festlich geschmückten Sporthalle viele Gäste begrüßen, darunter Bürgermeisterin Ulrike Freundlieb sowie Herrn Andreas Wronka vom Regierungspräsidium in Karlsruhe. Als Festredner gab der Sozialwissenschaftler Ingo Leven, Mit-Autor der Shell-Jugendstudie, einen Einblick in die veränderte Lebenswelt der Jugendlichen heute. 

Roland Schmellenkamp berichtet im Mannheimer Morgen über den Abend:

https://www.morgenweb.de/mannheimer-morgen_artikel,-mannheim-erfolg-unabhaengig-von-herkunft-_arid,1156729.html

"Ein Astronaut schwebt von der Hallendecke auf die Bühne - Anspielung auf das "Apollo"-Mondlandeprogramm der 1970er Jahre und effektvoller Auftakt für ein buntes Programm der Oberstufen-Theatergruppe des Ludwig-Frank-Gymnasiums (LFG). Die Schüler stellten anlässlich der Gründung der Schule vor 50 Jahren beim Festakt mit passender Musik und Tanz viele wichtigen Ereignisse der vergangenen Jahrzehnte kurz vor - darunter die Hippie- und Öko-Bewegung, Filme wie "Stars Wars" und "Dirty Dancing", Finanzkrise und die erste Frau als Bundeskanzlerin.

Exakt 1111 Schüler besuchen aktuell das LFG - "das gleicht der Steuerung eines mittelständischen Unternehmens", erklärte Bürgermeisterin Ulrike Freundlieb in ihrer Rede vor rund 300 Gästen. In den 60er Jahren sei es das politische Konzept gewesen, Chancengleichheit unabhängig der sozialen Herkunft herzustellen, "das Ziel haben wir bis heute nicht erreicht". Sie würdigte jedoch die Leistungen des LFG, "es bereichert unsere Schullandschaft wesentlich". Beispielsweise ist es zusammen mit der Integrierten Gesamtschule Mannheim Herzogenried (IGMH) seit 2014 Eliteschule des Sports und das einzige Gymnasium der Stadt, in dem Russisch als dritte Fremdsprache angeboten wird. Freundlieb: "Toleranz, Freundlichkeit und Offenheit sind gelebte Werte." Sie lobte Rektor Holger Reusch und bescheinigte ihm eine "alltagspraktische Entscheidungsfreude".

Herausforderung an die Schule
Reusch sagte in seiner Rede, dass ein freundlicher Umgangston, eine zugewandte Haltung und eine positive Atmosphäre an der Schule von vielen Ehemaligen bestätigt wurde. Allerdings: "Es ist eine Herausforderung in der heterogenen Schullandschaft, die Schüler auf das Abitur und das Leben vorzubereiten." Aktuell hat von ihnen rund ein Drittel Migrationshintergrund. Schulleiter Reusch betonte, dass ein Ziel am LFG Bildungserfolg unabhängig von der sozialen Herkunft sei - viele Absolventen seien die ersten mit Abitur in ihrer Familie.

Dies trifft auch auf den Festredner zu: Der Sozialwissenschaftler Ingo Leven berichtete davon, als er sich vorstellte. Er ist federführend an der aktuellen Shell-Jugendstudie beteiligt und erklärte, dass das "Hamsterrad beschleunigt" wurde: verkürzte Studienzeiten durch Bachelor, ein Jahr weniger Schule bis zum Abitur und Wegfall von Wehr- beziehungsweise Zivildienst. "Ich könnte etwas despektierlich sagen: Das Humankapital wird schneller der Verwertung zugeführt." Er selbst habe mit 13 Semestern Psychologie Anfang der 1990er Jahre zu den "Turbostudenten" gehört. Die im 19. Jahrhundert erfundene Phase "Jugend" sei bis zur Jahrtausendwende immer länger geworden.

Optimistische Generation
In der Shell-Jugendstudie geht es darum, unter welchen Bedingungen Jugendliche aufwachsen, wie sie sich dabei eine Persönlichkeit erarbeiten und sich von vorherigen Generationen unterscheiden. Ingo Leven erläuterte, dass Jugendliche heute optimistischer als vor zehn Jahren sind - das hänge jedoch von der sozialen Herkunft ab. Er betonte: "Wer optimistisch ist, investiert eher in Bildung." Dieser Optimismus verringert sich jedoch im Vergleich zur vorherigen Generation stärker, wenn zum Beispiel die Versetzung gefährdet ist oder ein Azubi nicht übernommen wird.

Das Besondere der aktuellen Generation der Jugendlichen sei, dass sie versuchen, scheinbare Gegensätze wie Kreativität und der Respekt vor Ordnung zu vereinen. Zum einen sei ihnen Sicherheit in Form von Freunden und Familie wichtig, zum anderen wollen sie in die Welt hinaus. Auch im Beruf gilt "sowohl als auch": Der Sozialwissenschaftler erklärt, dass die jungen Leute gleichzeitig einen guten Lohn und Aufstiegschancen sowie eine sinnvolle Beschäftigung wünschen."

© Mannheimer Morgen, Mittwoch, 29.11.2017 / Roland Schmellenkamp

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