Inequality - Ungleiche Chancen: Ein Vortrag von Li Yang

(10. April 2019) Inequality – Ungleiche Chancen: Li Yang, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Paris School of Economics, gab in einem Vortrag den Schülerinnen und Schülern einen Einblick in hochaktuelle Forschung und deren Methoden.

Alle wissen es:
Auch in Deutschland haben Menschen unterschiedliche Voraussetzungen für den Erfolg im Leben. Frauen verdienen immer noch bei gleicher Ausbildung und Arbeitsleistung weniger als Männer, Kinder aus bildungsfernen gesellschaftlichen Schichten, deren Eltern nicht hilfreich agieren können, haben eine geringere Chance auf Abitur, Studium und einen guten Job. Li Yang hat diese ungleichen Bedingungen wissenschaftlich fundiert untersucht, und zwar bezogen auf die aktuelle Situation in Malaysia.

Malaysia ist historisch als ehemalige britische Kolonie geprägt durch eine Bevölkerungsstruktur, die sich aus den Einheimischen, sogenannten Bumis, eingewanderten Chinesen und Indern zusammensetzt.
Die Untersuchung zeigt nun, dass das Einkommen dieser drei Bevölkerungsgruppen sehr unterschiedlich ist.

Dies ergab sich aus der Kolonialgeschichte, in der die sogenannten Bumis in der Landwirtschaft vom Bildungs- und Wirtschaftserfolg durch die Kolonialmacht Großbritannien ausgeschlossen wurden. Die von den Briten angeworbenen Chinesen und Inder hingegen erhielten Jobs in Industrie und Handel. Dies hat Folgen bis zur jetzigen Generation: Die Einkommensschere zwischen Bumis und vor allem Chinesen in Malaysia klafft weit auseinander.

Die malayische Regierung versucht seit Jahren durch Quotenregelungen gegenzusteuern - scheinbar mit Erfolg! Die jüngste Forschung von Herrn Yang hat ergeben, dass aktuell das Durchschnittseinkommen der Bumis gestiegen ist, das Einkommen der Chinesen fällt. Bei genauerer Betrachtung stellt er jedoch fest, dass nur die ohnehin besser gestellten Bumis profitieren und nur die sehr reichen Chinesen Einbußen erleiden. Die Umverteilung bei den ärmeren Bumis und den mittelreichen oder gar ärmeren Chinesen hatte keinen Erfolg.

Herr Yang gab bei seinem fast zweistündigen Vortrag den Schülerinnen und Schülern aus ausgewählten Klassen 9 bis KS2 einen Einblick in hochaktuelle Forschung und deren Methoden. Einfache Antworten gibt es nicht. Die Forscher müssen genau und differenziert auf ihre Daten schauen und Entwicklungen analysieren. Pauschalurteile sind meist fehlerhaft und vereinfachen Sachverhalte unzulässig. Viele Fragen der Schülerinnen und Schüler kreisten denn auch um Ursachen und mögliche Abhilfe bei Ungleichheit in Deutschland. Und auch hier gilt: Einfache Schuldzuweisungen oder gar Lösungen sind nicht tragfähig, man muss differenziert und immer auf Fakten bezogen in der Forschung vorgehen. Selten sind einfache ja/nein-Antworten möglich.

Weitere Fragen an Herrn Yang wurden zu seinem persönlichen Werdegang gestellt, zu seiner Ausbildung in China, seiner Zeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der Weltbank in Washington, zur Armutsforschung von Thomas Piketty in Paris, die weltweit für Aufsehen sorgt und an der Li Yang beteiligt ist. Authentisch und sympathisch gewährte hier ein junger Wissenschaftler Einblicke in die Welt der Wirtschaftsforschung. Davon würden wir gerne mehr sehen …

(K. Oberländer)