Mahnmal für die Opfer von Zwangssterilisation

(5. März 2015) Am Donnerstag, den 5.03.2015, wurde der Staffelstein für das Gedenken an die Opfer von Zwangssterilisation in der NS-Zeit vom Ursulinen-Gymnasium an uns übergeben. Das Denkmal des Künstlers Michael Volkmer steht nun vor dem Haupteingang des Universitätsklinikums Mannheim und wird durch die Klasse 9b und das gesamte Ludwig-Frank-Gymnasium für ein Jahr in einer Patenschaft betreut.

Am Morgen der Übergabe versammelten wir uns in einem Hörsaal des Klinikums und erfuhren durch den Vortrag von Prof. Bauer Einiges über Mannheim im 2. Weltkrieg, sowie über den Nationalsozialismus und die behördlich angeordnete Zwangssterilisation. Prof. Bauer berichtete, dass in der Chirurgie der 'Städtischen Krankenanstalten' Mannheims 355 Männer und 382 Frauen, sowie insgesamt in ganz Deutschland 350000 Menschen zwangssterilisiert wurden, da diese an Hörschäden, Epilepsie, Blindheit oder Alkoholismus litten. Es wurde uns auch erzählt, dass eine Sterilisation eines Mannes 10 RM kostete und eine Frau nach der Sterilisation 8-10 Tage im Krankenhaus bleiben musste. Ohne ihr Einverständnis wurden diese Personen körperlich beschädigt und aus rein ideologischen Gründen zur Kinderlosigkeit gezwungen. Sie wurden auch nach dem Ende der NS-Zeit nie dafür entschädigt. Prof. Bauer merkt an, dass wir Diskussionen über Eugenik in Deutschland auch heute führen und behutsam mit diesen Fragestellungen - auch bezogen auf die vorgeburtliche Eugenik - umgehen sollten.

Eine szenische Lesung des 'Arbeitskreises Justiz' stellte uns eindrucksvoll drei Einzelschicksale von Mannheimerinnen und Mannheimern vor, die Opfer der Gerichte in der NS-Zeit und sogar noch danach wurden.

Herr Schaumlöffel und Herr Wunderle begleiteten die Veranstaltung mit Musikstücken, bei denen wir nochmal nachdenken konnten.

Daraufhin sind wir vor den Haupteingang des Klinikums zum Mahnmal gegangen, und der Künstler Michael Volkmer erzählte uns, dass er dieses Mahnmal gemacht hat, um den Opfern Respekt zu erweisen und damit man diese nicht vergisst. Ebenfalls erzählte er, dass er die Farbe 'elfenbein' gewählt habe, da diese ins Auge steche. Falls man sich vor das Denkmal stellt und gut hinschaut, sieht man eine Spieglung von sich selbst und kann nachdenken, was man selbst in der Lage gemacht hätte. Die 1000 Einzelsteine stehen für ungefähr 1000 Opfer in Mannheim.

Als letztes wurde unseren Klassensprecherinnen Hilal und Dafina der Staffelstein übergeben und wir bedankten uns für die Ehre, das Denkmal betreuen zu dürfen. Dieser Dank war verbunden mit dem Versprechen, die Opfer aus dem Vergessen heraus zu holen und ihnen wieder ihren Namen und ihre Würde zurück zu geben.

Berfin B., 9b

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